Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/w00f698a/components/com_booklibrary/booklibrary.php on line 2910
Belletristik: Der Boss
  Print
Titel:      Der Boss
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      2392
Autor:      Moritz Netenjakob
ISBN-10(13):      3462043870
Verlag:      Kiepenheuer & Witsch
Publikationsdatum:      2012-03-12
Edition:      1., Auflage
Number of pages:      320
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Roman
Erscheinungsjahr: 2012
Von Netenjakob, Moritz

Ja, ich will den Kulturen-Clash! Daniel wurde von seinen 68er-Eltern zu extremer Toleranz gegenüber fremden Kulturen erzogen. Aber was tun, wenn einen die türkische Großfamilie seiner Traumfrau in den Wahnsinn treibt? Aylin hat endlich Ja gesagt. Daniel ist am Ziel seiner Träume. Aber auf das, was jetzt passiert, hat ihn niemand vorbereitet: Plötzlich hat er 374 türkische Familienmitglieder. Und die melden sich vier Mal am Tag mit guten Tipps: Wohin die Hochzeitsreise gehen soll, wem er einen Job in seiner Firma verschaffen muss und warum er Tante X anlügen muss, damit Onkel Y nicht beleidigt ist. Seine Eltern sind so ausländerfreundlich, dass es schon wieder diskriminierend ist für sie wäre auch ein Schlag ins Gesicht noch eine interessante kulturelle Erfahrung. Andererseits fehlt ihnen jegliches Feingefühl für türkische Empfindlichkeiten: So wollen sie nicht nur ganz ungezwungen über Sexualität reden, sondern auch als Atheisten mit Aylins moslemischen Eltern zusammen Weihnachten feiern, griechische Oliven essen und moderne Theaterinszenierungen besuchen. Als der traditionsbewusste Onkel Abdullah anreist, Daniel für ihn den Moslem spielen soll und dann auch noch die Hochzeit verschoben werden muss, geht es ums Ganze: Kann eine große Liebe diesen orientalischdeutschen Wahnsinn überstehen? Saukomische Situationen, Figuren zum Liebhaben und ohne Ende geniale Pointen Moritz Netenjakob erzählt so witzig und warmherzig vom deutsch-türkischen Kulturclash, dass man am Ende selbst eine türkische Familie haben möchte.

Pressestimmen:
" Macho Man ist das Witzigste, was ich seit ewigen Zeiten gelesen habe. Und vor allem das Witzigste, was ich seit ewigen Zeiten von einem deutschen Autor gelesen habe. Ich fordere den z

   
 

Hier klicken, um alle rezensierten Bücher von Moritz Netenjakob anzuzeigen





Rezensionen
23.03.2012
Vallaha, was hab ich mich amüsiert

23.03.2012 Bewertung:  5 kerry3 vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

Daniel Hageberger und Aylin Denizoglu sind ein glückliches Paar, leben in Köln und wollen heiraten. Nicht im allerkleinsten Kreis, sondern durchaus mit einem schönen und großen Fest, was eigentlich zwar aufwändig, aber doch kein Problem wäre  würden nicht mit Daniels deutschen, superintellektuellen, 68ger-geprägten Eltern und Aylins riesengroßer türkischen Familie zwei völlig verschiedene Welten aufeinander prallen.

Zudem mischt sich Aylins Verwandtschaft, angefangen von Anne und Baba (türkisch: Mama und Papa) bis hin zur Tante dritten Grades permanent in die Planung ein und man will ja niemanden beleidigen. Weswegen die Gästeliste mit der Zeit von ungefähr 80 Personen auf mindestens 500 ansteigt.
Daniel ist der Ansicht, dass er und Aylin eine gleichberechtigte Partnerschaft führen sollten, Aylin stimmt dem im Prinzip zu, drückt ihm aber dennoch hin und wieder die Rolle des Boss auf\'s Auge, die ihm gar nicht behagt. Auf der anderen Seite hat er aber nicht die geringste Chance, der türkischen Familienwelle, die über ihn schwappt, etwas entgegen zu stellen. Denn er will ja - habe ich das schon gesagt?  niemanden beleidigen, er mag seine neue türkische Familie und in den wenigen Situationen, in denen er ein Veto einzulegen versucht, unterliegt er gnadenlos dem süßen Schmollmund seiner Verlobten, die das orientalische Chaos gewohnt ist und völlig normal findet.

So nimmt Daniel es mit viel Humor und Liebe hin, dass zum Beispiel Aylins Eltern als Überraschung die Einladungskarten bereits drucken ließen (nur auf türkisch und in ziemlich kitschigen Stil). Er lässt den extrem religiösen Onkel Mustafa bei sich logieren, obwohl er sich deshalb als Konvertierter ausgeben muss und keinen Alkohol mehr trinken darf. Er akzeptiert Tante Emines Wochenendhäuschen in der Türkei statt der Seychellen als Hochzeitsreiseziel und eine Festhalle (eher eine Fabrikhalle) von Onkel Serkan in Leverkusen als Ort für die Feierlichkeiten. Als die Hochzeit zwei Tage vorher wegen des Herzinfarkts von Tante Emine (einer anderen Emine als die mit dem Wochenendhaus) verschoben werden muss, ist er enttäuscht, nimmt aber auch das hin. Und die ganze Zeit über vollführt er noch den reinsten Eiertanz, wenn seine nüchternen Eltern und die überschwänglichen Denizoglus aufeinander treffen.
Bei all seinen Anstrengungen kann er aber nicht verhindern, dass seine Mutter die Schwiegereltern zum Besuch eines modernen Theaterstücks einlädt, das ein mit den Hagebergers befreundeter Theaterregisseur inszeniert und mit seiner Lebensgefährtin in der Hauptrolle besetzt hat, die Romeos Julia als splitternackte, alternde, schreiende Hure spielt. Während Daniel in der Pause den geschockten Demizoglus beruhigende Erklärungen zu geben versucht kommt Aylin erneut mit einer familiär begründeten Bitte auf ihn zu  und da wird es Daniel endgültig zu viel

Was Moritz Netenjakob hier beschreibt, hat er selber am eigenen Leib erlebt.
Der 1970 in Köln geborene Autor, Comedian und Kabarettist ist mit der türkischstämmigen Hülya Dogan (Schauspielerin, Kabarettistin und Theaterdozentin) verheiratet, der er auch diesen Roman gewidmet hat. Von daher sind die Ereignisse im Buch sicher überzogen, aber doch aus dem realen Leben gegriffen.
Auch was die steifen, politisch und auch sonst korrekten, nüchternen und äußerst gebildeten Eltern Daniels anbelangt, die kaum genießen können, weil sie immer analysieren müssen und bei denen der Weihnachtsbaum zu der modernen Kunst im Raum passen muss (wobei Weihnachten feiern eigentlich sowieso viel zu spießig ist) auch da ist die Wirklichkeit wohl nicht so weit vom Roman weg.

Unbedingt muss ich MACHO MAN auch noch lesen, obwohl ich normalerweise kein Buch 1 nach Buch 2 aus einer Reihe lese, aber DER BOSS hat mich so begeistert, dass ich hier mal eine Ausnahme mache. Bei der Inhaltsangabe habe ich ja schon einiges erzählt, aber das war nur ein Bruchteil der Vorkommnisse. In Netenjakobs Roman reiht sich Gag an Gag, wobei keiner plump ist oder zu reiner Effekthascherei mutiert. Ich lache gerne, bin aber kritisch was Witze betrifft. Plump, billig oder sogar menschenverachtend dürfen sie nicht sein: hier musste ich durchweg schmunzeln, oft genug sogar laut lachen.
Obwohl beide Familien schon ziemlich extrem dargestellt werden, macht sich der Autor nicht auf Kosten dieser Menschen lustig. Niemals wird Netenjakob sarkastisch oder gar bösartig, er behandelt seine Figuren (und damit seine reale Familie und Schwiegerfamilie) gleichzeitig liebe- und verständnisvoll, was ich besonders schön finde.

Daniel selber ist eine sehr sympathische Figur, ein bisschen schwach vielleicht, aber liebens- und nicht bemitleidenswert, man hat Verständnis und amüsiert sich über seinen Humor, mit dem er auch oft über sich selber lacht. Nach ungefähr zwei Dritteln bekam ich allerdings das unbestimmte Gefühl, dass jetzt irgend etwas anderes passieren müsste, damit die Handlung nicht doch noch langweilig wird und das Verhalten von Daniel nicht doch noch als nervende Opferlamm-Haltung wirkt. Und als hätte der Autor meine Gedanken gelesen, kam genau an dieser Stelle die Wendung mit einem großen Knall. Was genau da passiert, erzähle ich hier natürlich nicht, um euch die Überraschung nicht zu nehmen. Aber es kommt ein Hauch von Melancholie, von Traurigkeit dazu, ohne dass der Humor verloren geht, was dem Buch sehr gut tut. Am Ende dann aber nee, lest selber.

5 Sterne und eine hundertprozentige Leseempfehlung für alle, die gerne schmunzeln oder lachen.


kerry3 hat insgesamt 30 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von kerry3 anzeigen.

 
Joomla templates by a4joomla