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Fantasy: Der Kinderdieb: Roman
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Titel:      Der Kinderdieb: Roman
Kategorien:      Fantasy
BuchID:      1135
Autor:      Brom
ISBN-10(13):      3426283298
Verlag:      PAN
Publikationsdatum:      2010-02-15
Edition:      Hardcover
Number of pages:      664
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
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Rezensionen
23.02.2010 26.03.2010 29.03.2010 23.06.2010 05.01.2011 21.09.2011
Lesenswert.

23.02.2010 Bewertung:  3.5 Hedwig vergibt 7 von 10 Punkten

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In der Nachbemerkung zum Buch „Der Kinderdieb” von Brom, der dies Buch nicht nur geschrieben sondern auch selbst illustriert hat, schreibt der amerikanische Autor, dass er sein Buch als Lobgesang auf die ursprüngliche, nicht geschönte, nicht entschärfte und nicht bereinigte Fassung des Romans „Peter Pan” von James Barrie verstanden haben will, in der noch — wie er schreibt — die dunklen Untertöne vorhanden sind.

Ich kenne gar keine Fassung des Romans „Peter Pan” — unglaublich, aber wahr — und konnte mich vielleicht gerade deswegen auf den Roman „Der Kinderdieb” völlig unbelastet einlassen. Würde man eine Einordnung vornehmen wollen, was ich eigentlich prinzipiell nicht gerne tue, gehört das Buch vermutlich am ehesten zu der sogenannten „Dark-Fantasy”-Sparte und ich würde es wohl eher keinem Jugendlichen unter 16 Jahren empfehlen zu lesen, denn manche Szenerien, Illustrationen und Dialoge sind doch recht heftig ausgefallen und könnten zartbesaiteten Gemütern eventuell nicht zusagen.

Wobei ich als erwachsener Leser schon fast bei der Frage angelangt bin, für wen das Buch denn wohl geschrieben sein soll und — abgesehen von dem erwähnten Lobgesang/der Hommage — was es beim Leser erzeugen soll? Denn der Roman provoziert meiner Ansicht nach den Leser auf jeden Fall zum Nachdenken.
Daher erst kurz zum Inhalt und danach zu dem Eindruck, den das Buch und die Illustrationen bei mir hinterlassen haben:
Ein menschenähnliches Wesen, genannt Peter, sucht in unserer Welt nach Kindern, die — wie Peter selbst es an einigen Stellen im Roman ausdrückt – ihren ZAUBER noch nicht verloren haben. Diese Kinder stehen meist an einem entsetzlichen Abgrund, sind grob gesagt, seelisch oder physisch vergewaltigt oder anderweitig schwer misshandelt worden und wissen keinen Ausweg mehr. Ein Kind, Nathan mit Namen, z.B. steht kurz davor, in einem verständlich erscheinenden Racheakt die Mörder seines Bruders selbst zu erschießen, ein anderer Junge, Nick, fühlt sich in einer Kurzschlußhandlung genötigt, den brutalen Drogendealern, an die seine Mutter untervermietet hatte und die jetzt die gesamte Familie terrorisieren, die Drogen wegzunehmen, wird natürlich aber sofort von ihnen erwischt.

Genau in diesem Moment erscheint meist Peter, hilft diesen Kindern aus der Klemme — manchmal ziemlich brutal – und bietet ihnen an, mit ihm zu kommen. In ein Land der ewigen Jugend, wo man Abenteuer satt erleben und viel Spaß haben kann und nichts mehr mit unserer Welt zu tun haben braucht. Allerdings verschweigt ihnen Peter, dass sowohl der Weg in dieses Land schon, als auch das Land selbst, Avalon mit Namen, lebensgefährlich und vom Untergang bedroht ist.
Denn Peter sucht Kinder, die ihm helfen, das Land von dieser Bedrohung zu befreien und wieder zu dem zu machen, was es mal gewesen war. Er kennt es als blühendes Land der ewigen Jugend, ein wahres Paradies, dem üppigen Schlaraffenland oder dem Phantasia aus „Die unendliche Geschichte” vergleichbar, wo Kinder nicht erwachsen zu werden brauchten, keine Erwachsenen-Regeln galten und man nicht um sein Leben, seine Seele, seine Existenz fürchten brauchte. Wo die Magie, der ZAUBER aus alten Zeiten noch lebendig war. Doch das ist längst nur noch die halbe Wahrheit.

Peter selbst ist kein Mensch, sondern stammt väterlicherseits von den Elfen ab und wurde von der Familie als Wechselbalg verstoßen und im zarten Babyalter dem Tode ausgeliefert. Der Moosmann Goll, der ihn vor dem Gefressenwerden durch einen Wolf rettet und bei dem er zunächst Unterschlupf findet, verlangt ihm allerdings einiges an Selbstständigkeit ab und bei ihm geht Peter durch eine sehr harte Schule. Als Peter sich im Alter von 6 Jahren nach Spielkameraden sehnt und sich zu nahe an ein Menschendorf wagt, wird er auch dort wieder von den abergläubischen Dörflern weggejagt, verfolgt und Goll auf brutalste Weise ermordet, sobald man seiner habhaft wurde. Bevor er stirbt, ermahnt er Peter noch, den Wolf zu töten, der ständig hinter ihm her ist. Als er dies schließlich tut, hat er zwar eine wichtige Mutprobe bestanden, aber auch wieder noch ein Stückchen unbeschwerter Kindheit verloren und als er von 3 Elfen per Steinkreismagie nach Avalon geholt wird, sind diese nur darauf aus, Peter zu ihrer Mutter, der Hexe zu bringen, um ihn gemeinsam mit ihr zu fressen. Es gelingt ihm, der gefährlichen Hexe ein Auge auszustechen, wodurch er sie sich allerdings zu einem lebenslänglichen Feind macht.

Im Grunde fängt hier der Roman erst richtig an und es würde zu weit führen, die gesamte Geschichte, die meist in Rückblicken von Peter auf frühere Begebenheiten in die fortlaufende Handlung eingestreut werden, zu erzählen. Peter lernt die Dame von Avalon, die diese mysthische Welt durch Nebel schützt, kennen und auch Ulfger, den Sohn und Erben des Gehörnten, der in Peter sofort die Konkurrenz sieht und der sein erbittertster Feind wird. Es wird auch erzählt, wie es dazu kam, dass Peter in unsere Welt zurückkehrt und sich eine Kinderarmee in Avalon aufbaut und es wird auch klar, dass Peter nicht nur aus edlen Motiven und uneigennützig handelt.

Der Autor hat den Roman sowieso auch sehr dicht gepackt und reißt hier mal einen alten Mythos an, erwähnt durch eine Romanfigur eine andere Begebenheit…kurzum: vielschichtiger, spannender und interessanter kann man kaum schreiben. Ob die teilweise starke Zurschaustellung brutaler Geschehnisse allerdings nötig gewesen wäre, wage ich mal zu bezweifeln. Da wäre weniger oft mehr gewesen, finde ich, ohne das Ziel des Romans zu verfehlen.
Wie schon erwähnt, kenne ich zwar “Peter Pan” nicht, aber mehrere Legenden um Avalon und Broms Roman ist einfach toll und läßt im besten Fall den Leser wirklich sehr darüber nachdenken, worin eigentlich der ZAUBER von Kindern besteht und was man sich unter einem wirklichen Paradies vorstellen könnte.

Fazit von mir: Klasse Roman, der das Zeug hat, ein wirklicher Spitzentitel zu sein. Allerdings möchte man dem Autor wirklich raten, den nächsten Roman mit etwas weniger drastischen Szenen zu schreiben, denn es kommt auch ohne diese so beim Leser an, wie es gemeint ist.


Hedwig hat insgesamt 14 Rezensionen angelegt.

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Alles hat seinen Preis

26.03.2010 Bewertung:  4.5 KimVi vergibt 9 von 10 Punkten

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|| Inhalt ||

Der vierzehnjährige Nick steckt momentan in großen Schwierigkeiten, da skrupellose Drogendealer im Haus seiner Mutter ihren Geschäften nachgehen. Sie demütigen und bedrohen den Jungen ständig. Deshalb beschließt er abzuhauen. Um ihnen eins auszuwischen, lässt Nick eine Tasche mit Metamphetaminen im Wert von dreißigtausend Dollar mitgehen. Doch viel schneller als gedacht, spüren die Handlanger des Dealers Nick auf. Sie freuen sich schon sehr darauf, Nicks Diebstahl zu rächen und treiben ihn in die Enge. Plötzlich erhält Nick unerwartete Verstärkung von einem Jungen. Der rettet ihn aus dieser ausweglosen Situation und stellt sich als Peter vor. Als Nick nicht weiß, wo er sich vor dem Rest der Drogenbande verstecken soll, erzählt Peter ihm von einem geheimnisvollen Ort. Dort ist alles verzaubert und Kobolde, Feen und Trolle gehören zum täglichen Leben. Erwachsene haben dort keinen Zutritt und Lehrer schon mal überhaupt nicht. Die Kinder können mit Schwertern und Säbeln spielen und manchmal sogar gegen ein echtes Ungeheuer antreten. Obwohl Nick seinem Retter nicht recht glauben mag, geht er doch auf das verheißungsvolle Angebot ein, ihm dorthin zu folgen. Wer ist der geheimnisvolle Junge und kann Nick ihm wirklich vertrauen?

Peter sieht fast so aus wie ein Mensch, doch schon seine spitzen Ohren verraten, dass er vom Elfenvolk abstammt. Als seine menschliche Mutter seine Abstammung erkennt, wird Peter für sie zu einem Unding. Voller Furcht wird der Wechselbalg von der gesamten Familie verstoßen und zum Sterben im Wald ausgesetzt. Doch Peter überlebt und lernt später, auf der vom Nebel verborgenen Insel Avalon, die Dame Modron kennen. Von nun an ist er ihr treu ergeben. Da die auf der Insel gestrandeten Fleischfresser eine Bedrohung für seine geliebte Dame und die magische Insel darstellen, wird Peter zum Kinderdieb.

Er durchstreift die menschliche Welt auf der Suche nach verlorenen und verzweifelten Kindern, die ihm durch den Nebel nach Avalon folgen sollen, um dort seine Kinderbande zu verstärken. Peter versucht bevorzugt das Vertrauen von Außenseitern im Teenageralter zu erlangen, da sie stärker sind als jüngere Kinder. Denn Körperkraft und Durchhaltevermögen erhöhen ihre Überlebenschance auf der magischen und äusserst gefährlichen Insel. Um durch den Nebel nach Avalon zu gelangen, müssen sie Peter allerdings aus freien Stücken folgen. Deshalb rettet er sie aus ausweglosen Situationen und bietet ihnen Avalon als Zuflucht an, denn hier müssen niemals erwachsen werden. Aus gutem Grund verschweigt er ihnen die Gefahren der Insel und die äusserste Brutalität ihrer Feinde. Denn auch hier hat alles seinen Preis....

|| Aufmachung ||

Es handelt sich um eine gebundene Ausgabe mit Hochglanz-Schutzumschlag. Das vorwiegend in schwarz gehaltene Coverbild weckte spontan mein Interesse. Der Kinderdieb Peter ist hier mit ausgestreckten Armen abgebildet. Den schwarzen Hintergrund durchzieht ein nebliger, silbergrauer Streifen. In ihm kann man unheimliche Gestalten, Feen, Pixies, aber auch Skelette und einzelne Köpfe mit entstellten Gesichtszügen erkennen. Anhand der Cover-Gestaltung kann man bereits erahnen, dass dieses Buch keine bunte und fröhliche Jugendlektüre offeriert.

Das Buch ist in Kapitel unterteilt. Am Anfang dieser Abschnitte kann man grauschwarze Illustrationen betrachten, die ebenfalls aus der Feder des Autors stammen. Etwa in der Mitte des Buchs befinden sich ausserdem acht farbige Zeichnungen, die einige der Hauptakteure darstellen.

Die Gestaltung dieses Buchs gefällt mir außerordentlich gut. Die grauschwarzen Illustrationen passen sehr gut zur düsteren Atmosphäre des Buchs und die farbigen Zeichnungen liefern einen Eindruck vom Aussehen der Hauptakteure.

|| Meine Meinung ||

Mit der niedlichen Disney-Version des Märchens von Peter Pan hat dieses Buch nicht viel gemeinsam. Denn es entführt den Leser nicht in die heile Welt von Nimmerland, sondern orientiert sich an der Originalfassung von James Barrie, in der Peter Pan eine dunkle Aura hat und das Sterben als ein Riesenabenteuer bezeichnet. Da Peter selbst unsterblich ist, zeigt er sich nicht sonderlich betroffen vom frühzeitigen Ableben seiner entführten Freunde. Im Gegenteil, skrupellos setzt er sie im Kampf gegen seine Feinde ein. Dieser dunkle, eher grausame Peter Pan und der Einfluss von alten schottischen Legenden, inspirierten Brom zu seiner eigenen Version des Märchens. Der Hinweis des Verlags, dass das Buch für Leser ab 16 Jahren geschrieben wurde, ist gerechtfertigt.

Bereits von Anfang an ist die düstere Grundstimmung der Handlung spürbar. Durch die detaillierten Beschreibungen des Autors erwacht die Fantasy-Welt zum Leben. Nur zögernd setzt man einen Fuß in das düstere magische Reich und spürt förmlich die dort herrschende Verzweiflung. Ein Schwert, Wachsamkeit und ein gutes Reaktionsvermögen erhöhen die Überlebenschancen der Bewohner. Der Zauber der Insel ist dem täglichen Kampf ums Überleben gewichen, dennoch ist die Magie allgegenwärtig. Die Illustrationen, die übrigens von Brom selbst stammen, untermalen das düstere und unheimliche Szenarium, ohne die eigene Fantasie einzuschränken.

Beim Aufeinandertreffen gegnerischer Parteien, werden nicht viele Worte gewechselt. Hier regiert der Schnellere und Stärkere. Blutige Kampfszenen werden so detailliert beschrieben, dass man schon fast versucht ist, sich die Blutspritzer aus dem Gesicht zu wischen. Neid, Missgunst, Hinterlist und absolute Brutalität bestimmen den alltäglichen Wahnsinn dieser Welt. Ein robustes Nervenkostüm ist für diese Lektüre dringend erforderlich.

Durch wechselnde Erzählperspektiven und Rückblicke in Peters Vergangenheit, offenbaren sich bald die düsteren Geheimnisse der Insel und erschreckende Wahrheiten regen zum Nachdenken an.

|| Mein Fazit ||

Das Buch wird jungen Lesern ab 16 Jahren empfohlen. Obwohl ich dieses Alter bereits überschritten habe, konnte ich mich der Faszination, die diese düstere Welt auf mich ausübte, nicht entziehen. Gerne bin ich dem Autor in die von ihm erschaffene Welt gefolgt, um einen ganz anderen Blick auf den liebenswerten Peter der Märchenwelt zu werfen. Diesen Ausflug, auf die vom Nebel verborgene Insel, empfehle ich gerne weiter und vergebe neun von zehn möglichen Punkten. Wer sich allerdings den Glauben an den koboldhaften Jungen bewahren möchte, der mit der niedlichen Tinkerbell lustige Abenteuer erlebt, dem kann ich von dieser Erzählung nur abraten. Denn nach der Lektüre betrachtet man ihn mit ganz anderen Augen.


KimVi hat insgesamt 226 Rezensionen angelegt.

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Schlechte Magie

29.03.2010 Bewertung:  3 Alien vergibt 6 von 10 Punkten

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Als Nick sich in einem New Yorker Park auf einmal seinen Feinden gegenübersieht, meint er schon, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Doch auf einmal taucht ein goldäugiger Junge auf, der sich als Peter vorstellt - und der hilft ihm nicht nur, mit einer Bande von Drogenhändlern, die Nick aus Rache bestohlen hatte, fertigzuwerden, sondern verspricht ihm auch, ihn an einen Ort zu bringen, wo solche Dinge nicht passieren. Nick, mit seinen Beinen ziemlich fest auf der Erde, fühlt sich dem fremden Jungen zu Dank verpflichtet und schließt sich ihm an. Als Peter ihn jedoch zum Hafen und in einen mysteriösen Nebel hineinführt, kommen Nick bald berechtigte Zweifel. Und was nach dem Nebel kommt, ist buchstäblich nicht mehr von dieser Welt... Nick findet sich in einer magischen Umgebung wieder, die bevölkert ist von Trollen, Pixies - und ganz normalen Kindern. Peters kleine Armee, die Teufel, bekämpfen die Fleischfresser, die nach Peters Meinung für das Sterben von Avalon verantwortlich sind. Obwohl Peter der Einzige ist, der sich noch an das grüne, wunderschöne und magische Avalon von einst erinnern kann, folgen ihm die Teufel blind - und bis in den Tod.

Wer in Broms Roman auf den niedlichen kleinen Peter Pan aus der Disney-Verfilmung oder auf einen sonstwie romantisch angehauchten ewig Jugendlichen hofft, wird schwer enttäuscht sein, denn Broms Peter geht buchstäblich über Leichen. Gemeinsam mit seinen Lost Boys, die hier Teufel heißen, beschützt er Avalon und die Dame Modron, für die er mehr als bereitwillig nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben all der anderen riskiert, die er im Laufe der Jahrhunderte auf die Insel gebracht hat. Seine Motive mögen in seinen Augen rechtschaffen sein, doch sind sie moralisch vertretbar? Diese Frage, die eigentlich heißt: Heiligt der Zweck die Mittel?, muß jeder für sich selbst beantworten. Allerdings sind gerade die Kinder, die Peter mit seiner großen Anziehungskraft, seiner Ausstrahlung und seinem ansteckenden Grinsen nach Avalon lockt, eine leichte Beute. Denn Peter sucht im wahrsten Sinne nach Verlorenen, Misshandelten, nach Alleingelassenen und solchen, die sich nach Anerkennung und dem Gefühl von Zusammengehörigkeit sehnen. Es ist leicht, hier Parallelen in die richtige Welt zu ziehen. Eigentlich genauso wie bei allen anderen Dingen auch, die dem Kinderdieb seinen Charakter geben: die Fähigkeit, andere zu begeistern, mitzureißen, sich gefügig zu machen und für die eigenen Zwecke zu benutzen. Der unerschütterliche Glaube an etwas, das man kannte und verloren hat, aber hofft, für immer behalten zu können. Die Trostlosigkeit, wenn man sich eine Niederlage eingestehen muß. Wo hört das Gesunde auf, wo beginnt das Krankhafte, der Zwang, die Ausnutzung?

Insgesamt muß ich leider sagen: etwas zu viel Gewalt und zu wenig Magie. Und ich spreche hier nicht nur von Feen, die Reigen tanzen oder von lustigen kleinen Wichten, die singend und pfeifend durchs Gras hopsen. Ich spreche von echter Magie, die aus einem Avalon ein Avalon macht. Denn auch wenn Avalon stirbt, ist das ganze Reich dennoch durchzogen von Magie - leider ist es vorrangig böse Magie: Ulfgers Verwandlung, die Veränderung der Gestrandeten, die Mädchen der Hexe. Für mich hat das Buch ein bißchen was von einer Gegendarstellung (zum Originalroman). Broms Erklärung, warum sein Roman so ist, wie er ist, hat mich eher gestört als verständnisvoller gemacht. Hätte ich mir nach dem Ende des Romans nicht noch die Erläuterungen des Autors zu Gemüte geführt, wäre es ein besseres Buch gewesen. Zu viele Informationen können stören; oder sie hätten als Denkanstöße vor dem Lesen besser gepaßt. Mit dem Verweis auf diese oder jene Formulierung hat er komplett andere Voraussetzungen geschaffen, die die Geschichte unmöglich zu einem Ende führen können, das anders als tragisch ist. Das alles ist aber nicht schlecht, sondern höchstens ungewöhnlich und auch, wenn es nicht meinem persönlichen Geschmack entspricht, auf keinen Fall negativ gemeint. Schlecht fand ich eigentlich nur eines: das Ende, die Rückkehr, wie auch immer man es nennen mag. Genauso unfähig, wie Brom im ganzen Roman mit Magie umgeht, verschleudert er sie am Ende über ganz New York und führt seine Aussage, sich eher am Original als an den zahlreichen Adaptionen orientiert zu haben, ad absurdum.


Alien hat insgesamt 63 Rezensionen angelegt.

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Eine ungewöhnliche Peter Pan Erzählung

23.06.2010 Bewertung:  4.5 mel vergibt 9 von 10 Punkten

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„Der Kinderdieb“ von Brom - eine Peter Pan Erzählung der etwas anderen Art…
Peter ist auf der Suche nach Kindern. Kinder, die nichts von der schrecklichen Aufgabe wissen, die sie in Zukunft bewältigen müssen. Mit geheuchelten Versprechungen über ein wunderbares Land ohne Erwachsene lockt Peter die verlorenen und einsamen Kinder aus sozialen Brennpunkten in den Nebel – die erste Hürde, die nicht alle bewältigen werden. Wer diese Barriere einmal überwunden hat, findet sich mit dem unheimlichen Jugendlichen in einer anderen Welt wieder: Avalon. Doch Avalon ist dem Untergang geweiht. Die Fleischfresser vernichten zunehmend die Welt der mystischen Wesen und somit ist es die Aufgabe der von Peter entführten Kinder gegen die monströsen Gestalten zu kämpfen. Kann Avalon gerettet werden und werden die Kinder die grausamen Schlachten überleben?

Das Buch beginnt recht harmlos, man lernt Peter kennen – in diesem Buch trägt er nur den Namen Peter, nicht Peter Pan – und baut zuerst eine gewisse Sympathie für den Jungen auf, der andere Jugendliche aus ihren misslichen Situationen befreit. Doch bald erkennt man, das Peter nur aus Eigennutz handelt, in dem Ziel Avalon zu retten. Hierfür riskiert er das Leben der Jungen und Mädchen, die sich in Avalon „die Teufel“ nennen. Auch Nick, den Peter in die mystische Welt entführt, ist erschüttert über die Grausamkeit dieser andersartigen Welt, doch erkennt, nur wenn sie gemeinsam an einem Strang ziehen, können sie diesen Albtraum überleben. Mit dem Ziel irgendwann in die Menschenwelt zurückzukehren, kämpft er Seite an Seite mit den Teufeln gegen die Fleischfresser.

Brom erzählt in seinem Roman „Der Kinderdieb“ eine etwas andere Version von Peter Pan – von der „kitschigen“ Disney Variante ist hier nichts mehr zu spüren. Dazu greift Brom die beunruhigenden Aspekte des Kinderbuchklassikers auf, nämlich das Kinder ohne eine Spur von Gewissensbissen in blutigen Schlachten gegen Piraten kämpfen. In „Der Kinderdieb“ wird dieser Aspekt in detailliert beschriebenen Kampfszenen aufgegriffen; „abgetrennte Gliedmaßen“ ist eine nette Umschreibung für Begrifflichkeiten, die Brom benutzt. Diese unverblümte Schreibweise (z.B. eine Szene, in der sich Erwachsene daran ergötzen Kinder zu foltern) schreckt auf der einen Seite sehr ab, doch sie fasziniert auch, denn kaum ein Autor wagt es solch einen provozierenden All-Ager zu schreiben. Die eindeutigen – teilweise farblich illustrierten– Abbildungen in dem Buch reizen die Vorstellungskraft der Leser noch etwas mehr an.

Einen, meiner Meinung nach, genialen Abschluss findet das Buch in dem Nachwort von Brom, wo er seine Anreize zu „der Kinderdieb“ erklärt und mit folgenden Worten schließt: „…Solltest du dich also plötzlich allein in einem dunklen Winkel des Prospect Parks wiederfinden – oder an einem anderen wilden, ungezähmten Ort -, sollten die Glühwürmchen plötzlich kühner heranflitzen und ein silbriger Nebel durch die Luft wirbeln, dann spitze die Ohren, denn vielleicht hörst du in der Ferne einen Jungen lachen. Was auch immer du dann als Nächstes tust, denk dran, dass man dich gewarnt hat.“
Ein fantastischer Abschluss einer der seit langem besten All-Ager mit Gänsehautfaktor und unerwartetem Ende!


mel hat insgesamt 12 Rezensionen angelegt.

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Wie in einem Film von Tim Burton

05.01.2011 Bewertung:  4.5 horrorbiene vergibt 9 von 10 Punkten

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Zum Inhalt: Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …

 

Peter ist der Kinderdieb. Er stielt Kinder jedoch nicht einfach so, er rettet sie und macht sich so zu ihrem Heiland. So auch Nick: Nick hat arge Probleme mit einem Mieter des Hauses seiner Mutter namens Marko. Dieser hat die Bude zu einem Drogenumschlagplatz gemacht und Nick möchte nur noch fort. Als er eine Menge Drogen gestohlen hat und Markos Bande hinter ihm her ist, kommt Peter gerade richtig um ihn aus der Misere zu retten. Da er nicht weiß wo er unterkommen soll begeleitet Nick Peter anschließend in das Reich Avalon, wo kein Kind jemals erwachsen wird. Doch Avalon ist kein schöner Ort mehr, es lauern Gefahren und das Land stirbt. Schuld sind die Fleischfresser und Peter sammelt eine kleine Armee Kinder um sich, damit sie gemeinsam dem Sterben Einhalt gebieten können.

 

Meine Meinung: Das Buch ist definitiv anders. Der erste Eindruck war super: Das Buch enthält, neben einer ausreichend detaillierten Karte, zu Beginn jedes Kapitels eine Illustration eines im folgenden Kapitel vorgestellten Protagonisten oder einer Lokalität und darüber hinaus sogar acht farbige Abbildungen in der Mitte des Buches. Diese wurden vom überaus talentierten Autor angefertigt. Zudem finde ich das Papier überaus hochwertig. Doch beim Lesen des Buches war ich zu Anfang etwas irritiert: Die Sprache der Jungen ist geprägt von Kraftausdrücken und Flüchen gepaart mit wirklich gewalttätigen Szenen. Dafür, dass Kinder oder jüngere Teenager agieren war mir das etwas zu krass. Dies legte sich aber im Laufe des Buches teilweise bzw. bekam einen anderen Charakter. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch für Jugendliche unter 16 Jahre nicht wirklich geeignet.

Die Handlung kam auch relativ spät erst in Fahrt: Auf Seite 100 wusste ich immer noch nicht worum es wirklich gehen soll. Doch dies war taktisch eigentlich sehr geschickt gemacht von Brom, denn der Leser begleitet zu Beginn „das gestohlene Kind“ Nick, dass in die Welt von Avalon und Peters Clan (den „Teufeln“) eingeführt wird und ebenso wenig weiß. Der Anfang des Buches ist daher geprägt von zwei Perspektiven: Zum einen erleben wir Nicks Einstieg in Avalon und dessen Abenteuer und zum anderen Peters Diebstähle in New York mit eingebetteten Rückblenden über seine Vergangenheit. Dies ist ebenfalls sehr geschickt gestaltet, da Peter sich zurückerinnert werden Zusammenhänge klarer und man versteht die Figur Peter besser, z.B. warum er einen so großen Hass auf die Erwachsenen verspürt.

Gerade durch die Gewalt die oft beschrieben wird, wird schnell klar, dass Brom sich nicht den Disney Film als Vorlage für sein Werk genommen hat, sondern eher das unbereinigte Original von James M. Barrie. Doch nicht nur „Peter Pan“ diente als Vorlage, nein, Brom fand auch Inspiration bei der englischen Legende um Avalon, diese Konstellation ist wirklich interessant. Dadurch schafft es Brom mit seinem Werk eine sehr schöne und intensive Atmosphäre aufzubauen, die zwischen zauberhaft und düster variiert und gerade dieser Punkt ist es, der dieses Buch, meiner Meinung nach, so außergewöhnlich macht. Außerdem ist das Buch geprägt von Kontrasten: Peter mit seinem jungenhaften Aussehen ist mal gewalttätig und ein Mörder und dann der sich sorgende und sich kümmernde Anführer seiner ungezähmten Kinder. Der Kapitän dagegen wird erstaunlich anders dargestellt, als man es von ihm erwarten würde und diesen Eindruck erlebt man besonders intensiv, da ihm im letzten Teil des Buches sogar eine eigene Erzählperspektive eingeräumt wird und der Leser so auch die Gegenseite unverfälscht erlebt.

Mich persönlich hat gefreut, dass sogar ein schnarchender Mops erwähnt wurde, doch das ist eine andere Geschichte...

 

Fazit: Dieses Werk könnte eine ideale Vorlage für einen neuen Film von Tim Burton bilden, denn es hat, neben einer gewissen Skurrilität und Gewalt, eine wirklich zauberhaft gestaltete Welt mit starker Atmosphäre. Gerade diese Besonderheiten stechen derart heraus, dass die kleinen negativen Punkte (Flüche, harte Sprache und Brutalität) nicht mehr so ins Gewicht fallen, bzw. sich in das Gesamtbild einfügen. Das Buch ist sicher nichts für schwache Nerven oder jemanden der eine Disney Version von Peter Pan erwartet, doch z.B. für Freunde von Filmen im Stile Tim Burtons ist dies absolut zu empfehlen! Mir hat das Buch alles in allem sehr gut gefallen und die Illustrationen waren ein sehr schöner Bonus!


horrorbiene hat insgesamt 42 Rezensionen angelegt.

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Nimmerland ist abgebrannt

21.09.2011 Bewertung:  5 Nazena vergibt 10 von 10 Punkten

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„Der Kinderdieb“ (OT: „The Child Thief“) ist ein Fantasyroman des amerikanischen Gothic Fantasy-Illustrators und Fantasyschriftstellers Gerald Brom, welcher eine Neuinterpretation des Peter Pan-Motivs behandelt. Das Buch beinhaltet zahlreiche, teils farbige, Illustrationen.

Inhalt:
Nick muss vor dem älteren Marko fliehen, den er gerade um eine Tasche Drogen gebracht hat. Doch Markos Schläger spüren ihn im Stadtpark auf. Nick glaubt schon, dass sein letztes Stündlein geschlagen hätte, doch da rettet ihn ein seltsamer Junge mit goldenen Augen und spitzen Ohren, der ihm von einer Insel ohne Erwachsene vorschwärmt, auf der Kinder frei sind und alles tun und lassen können, was sie wollen- und ein Leben voller spannender Abenteuer leben können. Nick folgt dem anderen, Peter, in den New Yorker Hafen und schließlich ihn eine Nebelwand hinein. Hier merkt er schon, dass Peter nicht ganz ehrlich war: überall liegen Skelette, und die Nebelgeister bringen ihn fast um den Verstand. Als er sich endlich jenseits des Nebels auf der Insel Avalon befindet, wird er von einer Horde Verrückter angegriffen, die ihn augenscheinlich fressen wollen.
Dabei sind die „Teufel“ noch nicht einmal sein größtes Problem: die Magie der Insel verändert alle, die sich auf ihr befinden. Da Kinder noch ein wenig Magie in sich tragen, werden sie wie Peter. Die Erwachsenen hingegen, die zur Zeit der Pilgerväter zufällig auf die Insel gelangten, wurden zu Dämonengeschöpfen. Und dann sind da noch die ursprünglichen Bewohner der Insel, die mit Menschen, egal wie alt, kaum etwas zu tun haben wollen.
Außerdem hat Peter noch seine ganz eigenen Feinde: eine Hexe will sein Auge und der Nachkomme des „Gehörnten“ möchte ihn am liebsten filetieren. Doch er braucht die Kinder, um seinen Krieg gegen die bösen „Fleischfresser“ zu führen, und holt deshalb immer mehr und mehr Kinder- egal, wie viele sterben.
Nick findet sich schon bald in einem Krieg zwischen allen Fronten wieder und muss sich für eine Seite entscheiden und ganz nebenbei auch noch herausfinden, was er denn wirklich will…

Mein Fazit:
Diese Neuinterpretation des Peter Pan-Mythos ist in meinen Augen rundweg gelungen. Vieles, was in der Kinderbuchversion noch naiv überlesen werden kann, wird einem hier drastisch vor Augen geführt. Blutrünstige Piraten, aber auch blutrünstige Kinder, und irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was moralisch erlaubt sein sollte dem Durst nach Rache. Die Gewaltdarstellungen sind zwar mitunter heftig, aber nicht explizit und gehören in die Geschichte hinein.
Insbesondere die Interpretation des Peter ist überaus glaubwürdig. Seine Handlungen sind nachvollziehbar und in sich logisch. Wenn man seinen Lebens- und Leidensweg miterlebt, fragt man sich unwillkürlich: hatte er überhaupt eine andere Wahl, als so zu werden, wie er jetzt ist? Über weite Teile seiner Existenz hinweg wurde er nur benutzt und benutzt demzufolge auch andere- war es doch das Einzige, was er je gelernt hat. Erst als er sein Erbe, welches dann doch etwas vorhersehbar kommt, annimmt und in gewisser Weise erwachsen wird, kann er sich aus allen Gespinsten um sich herum befreien und seine eigenen Entscheidungen treffen- und doch bleibt er sich selbst und seinem vorherigen Leben treu, allerdings meint man, dass sein Traum von einem ewigen Leben voller Spiel und Abenteuer erst jetzt richtig beginnt.
Der Autor thematisiert auch deutlich den inneren Konflikt, den Nick austragen muss: von seiner Mutter allein gelassen, folgt er Peter; aber auch der belügt und benutzt ihn. Im Kampf um Avalon scheinen die Rollen klar verteilt: die „guten“ Fabelwesen gegen die „bösen“ Erwachsenen und Christen, aber auf beiden Seiten gibt es Helden und Schurken, kleine Grausamkeiten ebenso wie Selbstlosigkeit. Doch die Fronten sind so verhärtet, dass es nur noch auf ein großes Finale hinauslaufen kann. Doch letztendlich findet Nick seinen eigenen Weg, den er auch konsequent bis zum Ende geht.
Und im Endeffekt sind es dann doch die mystischen und glorifizierten Fabelwesen, deren Abgang einen schalen Beigeschmack hinterlässt und ein kleines bisschen an das Ende der eigenen Kindheit denken lässt, wenn man erkennt, dass die Welt eben nicht verzaubert ist und die Helden der Kindheit ebenso Fehler und Makel machen wie man selbst.
Was bleibt? Ein ungemein spannendes Buch mit einem Hauptcharakter, der einem aus jeder Seite entgegenspringt, dessen freches Grinsen einen noch aus den Seiten des Buches heraus anlacht und den man doch, trotz allem, um seine unglaubliche Freiheit beneidet. Eine Freiheit, die mit viel Blut, Qualen, Tod, Verlust, aber auch Neubeginn erkauft ist. Peter findet seine Heimat schließlich in ihm selbst und überall dort, wo er ist- also passt auf, wer nachts an eure Fenster klopft, und lasst euch nicht von dem grinsenden goldäugigen Jungen entführen, und wenn er noch so sehr lockt…


Nazena hat insgesamt 88 Rezensionen angelegt.

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