Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/w00f698a/components/com_booklibrary/booklibrary.php on line 2910
Fantasy: Der Fremde: Canis Lupus Niger
  Print
Titel:      Der Fremde: Canis Lupus Niger
Kategorien:      Fantasy
BuchID:      1460
Autor:      Heike Korfhage
ISBN-10(13):      3940209376
Verlag:      Noel-Verlag
Publikationsdatum:      2009
Edition:      Taschenbuch
Number of pages:      525
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4.5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Product Description
Was macht jemand, der viel von seiner mittelalterlichen Welt gesehen hat und neugierig ist auf mehr, der Wert darauf legt, sich stets seine eigene Meinung zu bilden und genau das zu tun, was er selber für richtig hält, wenn er in ein Land kommt, in dem jedermann nach starren Regeln lebt und, bis auf eine herrschende Minderheit, kaum genug zum Leben hat? Genau, er sieht zu, dass er schnell weiter kommt. Aber dummerweise ist da diese zauberhafte junge Frau, die ihm so gut gefällt. Und sie ist in entsetzlichen Schwierigkeiten. Denn sie wird von einem Schwarm fliegender Ungeheuer entführt und niemand sonst scheint in der Lage, sie zu befreien. Wanja Bajarin, ursprünglich nur auf der Durchreise durch das mittländische Reich, überlegt nicht lange und begibt sich auf eine wilde Verfolgungsjagd. Wohin sie ihn am Ende führt, und ob er seinen ursprünglichen Weg jemals zu Ende gehen wird, erzählt dieser frische Roman, der in sich abgeschlossene erste Teil einer neuen Fantasy-Reihe, der sich von den zahllosen schwachen Kopien der großen Klassiker wohltuend abhebt.
   
 

Hier klicken, um alle rezensierten Bücher von Heike Korfhage anzuzeigen





Rezensionen
13.08.2010
Der Fremde - canis lupus niger I

13.08.2010 Bewertung:  4.5 torquato vergibt 9 von 10 Punkten

Userpic

Das Buch mit dem ansprechenden dunkelgrünen Cover wirkt zuerst nicht wie ein Fantasy-, sondern wie ein historischer Roman. Dieser Eindruck wird auch beim Lesen nicht ganz beseitigt.

Es wird die Geschichte von einem unbekannten Herumreisenden erzählt, der durch das Mittländische Reich kommt. Dessen König belagert gerade die Burg eines abtrünnigen Lehnsmannes, wobei ihm der \"Fremde\" unerwartet effizient zum Erfolg verhelfen kann. Diese interessante neue Bekanntschaft wird durch die Entführung einer jungen Adeligen jäh unterbrochen, welche den \"Fremden\" zu einer langdauernden und anstrengenden Rettungsaktion bewegt. Diese gelingt, und er kann sich mit der Geretteten auf den Rückweg begeben. Dort angekommen übergibt der \"Fremde\" die junge Frau bedauernd wieder in die Hände ihrer Angehörigen und beabsichtigt, abzureisen. Aber der König, mit dessen Frau die Entführte verwandt ist, kann ihn überreden, seine unkonventionellen Ideen für die Wiederherstellung des kriegsverwüsteten Landes zur Verfügung zu stellen. Belastet durch seine vermeintlich hoffnungslose Verliebtheit und die ungewohnte Sesshaftigkeit macht sich der Protagonist an die Arbeit. Soviel zum Inhalt.

Hm ... und wie soll man das Buch bewerten? Fantasy-Elemente kommen gar nicht so viele vor: Die Entführer sind eine Art exotischer, intelligenter Riesenfledermäuse, der Protagonist beherrscht in geringem Umfang magische Kräfte, derer er sich zur Not bedient. Wodurch das Buch lebt und wirkt, sind die Beschreibungen der sich nachvollziehbar entwickelnden Personen, der Landschaften und der Ereignisse, die man sich auch im wirklichen Mittelalter so vorstellen könnte. Man hat das Gefühl, die Personen zu kennen, sie regelrecht vor sich sehen zu können. Ereignisse werden liebevoll bis ins Detail und gut recherchiert beschrieben. Wären nicht die fantastischen Elemente und die kleinen historischen Unkorrektheiten, könnte man das Buch wirklich für einen historischen Roman halten.       

Die Geschichte wird fast durchgängig aus der Perspektive des Protagonisten, aber nicht in der Ich-Form erzählt. Dadurch ist die Sicht des Lesers ebenfalls gebunden und er erlebt die Abenteuer als genauso unerwartet und zum Teil frustrierend, wie der Protagonist. Was mir daran gefällt, ist, dass man dessen Eigenschaften und persönliche Geschichte erst peu à peu kennenlernt. Der Protagonist mit dem anfangs nicht nachvollziehbar großen Selbstbewusstsein stellt sich am Ende als genau das heraus, was er vorgibt zu sein. Durch seine Herkunft aus der aufgeschlossenen, nomadisch lebenden Gesellschaft eines anderen Landes und seine umfangreichen Erfahrungen aus seinen langjährigen weiten Reisen erscheint er beinahe wie ein moderner Mensch, über dessen Schulter der Leser seine eigene Heimat und Geschichte ganz neu kennen lernt. Da wird mal eben die Herkunft der Elfen-Mythen Großbritanniens angedeutet, da wird die Ausgrenzung von Angehörigen vieler Gesellschaftsgruppen (Nichtsesshafte, Gaukler, Kräuterfrauen, Ausländer usw.) im europäischen Mittelalter vorgestellt, die Armut, der Dreck und das Ausgeliefertsein, aber auch die Lebensfreude des einfachen Volkes im Mittelalter begreifbar gemacht.

\"Der Fremde\" ist ein erstaunliches Buch, das trotz seiner linearen und etwas vorhersehbaren Story nur schwer aus der Hand zu legen ist. Vielleicht liegt das auch daran, dass es mit vielen Klischees bricht, während es sich andererseits ungeniert ihrer bedient. Der Held ist nicht groß und blond. Die Geschichte endet nicht nach der geglückten Rettung mit einem Happy-End, sondern fängt da erst richtig an.  Es ist nicht der Mann, der der Beziehung den entscheidenden Impuls geben kann. Der magiekundige Protagonist legt Wert darauf, Zauberei möglichst nicht anzuwenden. Der Antagonist wird am Ende nicht zur Verantwortung gezogen. Und die Geschichte endet nicht mit der Heirat zwischen dem Protagonisten und seiner Angebeteten. Man möchte immer noch mehr erfahren und ist trotz der Länge  -520 eng und klein bedruckte Seiten- traurig, wenn es ausgelesen ist. Ich persönlich bin sehr gespannt auf die von den HP des Verlages und der Autorin angekündigte Fortsetzung. Der Fremde endet nicht in dem Sinne mit einem Cliffhanger, eigentlich ist die Geschichte zu Ende erzählt, aber man spürt, dass da noch etwas kommen muss.

Noch ein anderer Aspekt, der vielleicht beabsichtigt war, vielleicht auch nicht, ist mir angenehm aufgefallen. Toleranz vor anderen Kulturen, Religionen und Lebensweisen, also Dinge, die einem Mitteleuropäer heute selbstverständlich sein sollten, werden im Buch eher dem Ausländer, dem \"Fremden\" zugeschrieben. Als Gast in fremden Kulturen hat er sich aber trotz aller Aufgeschlossenheit für Andere den kritischen Respekt vor der eigenen Kultur erhalten können. Ich halte das für eine wichtige Anregung in unserer heutigen Zeit der Globalisierung, in der einerseits der Verlust regionaler Kultur und Identität drohen, es andererseits in vielen davon bedrohten Kulturen zu agressivem bis terroristischem Widerstadt dagegen kommt   . 

Negativ bewerte ich an dem Buch die vergleichsweise vielen Fehler, die den Lesefluss ziemlich stören. Es scheint beinahe, als hätte sich das Lektorat auf die Verwendung einer Rechtschreib-Korrekturprogramms beschränkt. Da wäre der Verlag in der Pflicht gewesen, besser zu prüfen.

Vielleicht wäre das Buch auch noch besser geworden, wenn der Protagonist etwas weniger perfekt gewesen wäre, mehr Schwächen gezeigt hätte. Zwar macht er auch seine Fehler und wirft sie sich selber vor. Aber alles in allem kann und weiß er einfach mehr, als ein Mensch seiner Zeit können und wissen dürfte. Er gewinnt einfach zu oft. Auch wäre es interessant gewesen, öfter mal in die Köpfe der anderen Charaktere hineinzuschauen, die Ereignisse aus ihrer Sicht zu erleben und zu bewerten. Zwei, drei Mal wechselt ja die Perspektive zur weiblichen Hauptfigur, aber  ansonsten äußern sich die anderen Charaktere auschließlich in Dialogen oder durch Verhalten.    

Unter dem Strich aber ist  Der Fremde  ein tolles, lesenswertes Buch, ganz anders, als die aktuell in den Buchhandlungen stehenden Produkte der Publikumsverlage. Es ist ihm zu wünschen, dass die Nominierung zur Hauptrunde des Deutschen Phantastik Preises 2020 als bestes Romandebüt es weiteren Kreisen bekannt und damit zugänglich macht.


torquato hat insgesamt 1 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von torquato anzeigen.

 
Joomla templates by a4joomla