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Historischer Roman: Pflicht und Verlangen
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Titel:      Pflicht und Verlangen
Kategorien:      Historischer Roman
BuchID:      2347
Autor:      Eva-Ruth Landys
ISBN-10(13):      3937357467
Verlag:      Bookspot
Publikationsdatum:      2011-11-23
Edition:      1
Number of pages:      560
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
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Rezensionen
01.03.2012
Eine Frau zwischen Wünschen und Zwängen

01.03.2012 Bewertung:  4 kerry3 vergibt 8 von 10 Punkten

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DIE GESCHICHTE


Charlotte Brandon kommt im Alter von 21 Jahren nach dem Tod ihrer Eltern und ein paar Jahren in einem Institut für höhere Töchter nach Millford Hall, wo sie von ihrem Onkel Lord Alistair Millford adoptiert werden soll. Dies oder ein Dasein als Gouvernante waren die einzigen Alternativen für die junge, intelligente und wissensdurstige Frau, doch schnell nach ihrer Ankunft zweifelt sie daran, den richtigen Weg für sich gewählt zu haben. Lady Millford, die engherzige und lieblose Gattin ihres Onkels ist nämlich alles andere als begeistert über die Entscheidung ihres schwerkranken Mannes, dem sie sein Vorhaben aber weder ausreden noch abschlagen konnte. Ist Charlotte doch das Kind einer ausgesprochen skandalösen Beziehung: in jungen Jahren brannte Elisa Millford, Alistairs Schwester, mit einem Studenten und Wissenschaftler durch und lebte fortan mit ihm und später auch mit der Tochter in Griechenland, ohne jemals wieder Kontakt zu ihrem Zuhause zu haben. Nun bereut Alistair mittlerweile seine Härte gegenüber seiner Schwester und will dies an der Nichte wieder gut machen.

Lady Millford dagegen sieht in Charlotte nicht mehr als eine Art Handelsware, die so schnell wie möglich an einen reichen Schwiegersohn verschachert werden muss. Da die Millfords ohne Erben und Frauen nicht erbberechtig sind, sieht sie ihre eigene Stellung in Gefahr, fiele doch der ganze Besitz nach dem Tod ihres Mannes so an den Staat. Schnell hat sie auch einen in ihren Augen passenden Mann für Charlotte parat: the right honourable Gaylord Terency, Sohn eines Marquis. Dass dieser ein pervers veranlagter Psychopath ist, stört sie dabei nicht im Geringsten.

Charlotte versucht lange Zeit, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu unterdrücken, nimmt die abfälligen Bemerkungen über ihre Herkunft und Eltern schweigend in Kauf, richtet sich so weit wie möglich nach den Vorgaben und Plänen ihrer Tante, um deren Wohlwollen doch noch erringen zu können, ihren Onkel nicht zu belasten und ihre Dankbarkeit für das zu zeigen, was dieser für sie getan hat. Als sie erkennt, dass sie die Tante nie für sich gewinnen kann und deren Spitzen und Quälereien zu viel werden, stürmt sie eines Tages aus dem Haus und in den Wald, um nicht zu explodieren. Dort lernt sie den Nachbarn der Millfords kennen, den weltoffenen und unkonventionellen Marineoffizier Captain John Battingfield. Dieser ist aus Wunsch seines Vaters unglücklich mit der wunderschönen aber puppenhaften und hohlköpfigen Gwendolyn Wellesley verheiratet – Charlotte erscheint ihm wie eine erfrischende Brise und er verliebt sich in sie. Auch Charlotte empfindet mehr für John, als sie dürfte. Doch als er ihr nach einem längeren Aufenthalt Charlottes, bei dem er der jungen Frau auf seinem Landgut Dullham Manor ermöglicht den wissenschaftlichen Nachlass ihrer Eltern zu erforschen und zu ordnen, seine Liebe gesteht, weist sie diese energisch zurück und flieht regelrecht vor ihm zurück nach Millford Hall.

Dort hat derweil Lady Millford ihre Pläne mit Terency voran getrieben und eine Einladung für sich und Charlotte zu einer Fuchsjagd auf dessen Landsitz organisiert. Charlotte findet keine Möglichkeit, diese auszuschlagen und gerät dadurch in höchste Gefahr. Als John Battingfield in London davon erfährt, lässt er sich selber zu dieser Jagd einladen, um die geliebt Frau zu schützen…


TRADITION UND MODERNE

Bis dahin gelingt es Eva-Ruth Landys ganz hervorragend, in der Tradition Austens zu schreiben, was sie auch beabsichtigte, vielleicht sogar etwas zu gut. Doch bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich für diejenigen, die mit den Regency-Autorinnen nichts verbinden, zunächst erklären, was diese Tradition überhaupt darstellt.

Grundsätzlich einmal schrieb Austen romantische Liebesromane, ging aber dabei über die Grenzen dieses Genres hinaus. Ihre Heldinnen sind allesamt intelligente Frauen, die durch die gesellschaftlichen Zwänge der damaligen Zeit ihre Neigungen zu Selbständigkeit und Wissenserwerb über hausfrauliche Belange hinaus eigentlich unterdrücken müssen und kaum die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung haben – genau so, wie es der damaligen Rolle der Frau entsprach. Diese Heldinnen fügen sich aber nur schwer in das vorgegebene Sittenbild ein und brechen letztendlich in der einen oder anderen Form aus. Trotz der sittsamen Sprache, dem vorhersehbaren Rahmen und des unweigerlichen Happy-Ends übte Austen damit Kritik an der Gesellschaft, deckt Grausamkeiten und Geldgier der oberen Klasse auf und prangert die Ungerechtigkeit gegenüber Frauen an.

Landys nimmt genau dieses Thema auf, ihre Charlotte ist ein Freigeist, eine Frau, die sich nicht für Handarbeiten und die neueste Mode, sondern sich für die Wissenschaften interessiert, lernbegierig ist, etwas erreichen will und dennoch zunächst versucht, sich an die gesellschlichen Ansprüche anzupassen. Ihr zur Seite steht mit John ein Held, der nicht nur offen genug ist, um einer solchen Frau die eigene Entwicklung zu ermöglichen, sondern der sogar genau diese Eigenschaften in einer Frau sucht. Auch sprachlich orientiert sich die Autorin zunächst stark an ihrem Vorbild, wodurch der Roman etwas betulich und formelhaft wirkt. Der Verlag preist das Werk als „berührenden Liebesroman in der Tradition Jane Austens“ an, jedoch „schneller, spannender, emanzipierter“. Von Letzterem bemerkte ich bis ungefähr zu Hälfte des Romans leider eher wenig (so weit geht übrigens auch meine Inhaltsangabe, die ich ganz bewusst an dieser Stelle abgebrochen habe), da ich aber zwar nicht gerade gefesselt war, mich aber auch nicht langweilte, las ich weiter und siehe da…

… es geht doch: auf einmal kommt enorme Spannung in die Geschichte, sie entwickelt sich schon fast zu einem Krimi, es wird dramatisch. Plötzlich ist die Handlung immer weniger vorhersehbar und auch das Happy End (das es natürlich und zum Glück gibt) ist ganz anders als erwartet. Während ich die erste Hälfte des Buchs gemütlich über ein paar Tage hinweg gelesen hatte, konnte ich mich nun nicht mehr losreißen und las den Rest in einer halben Nacht. Am Ende war ich so berührt, dass mir fast die Tränen kamen und das passiert mit zwar manchmal bei einem Film, aber so gut wie gar nie bei einem Buch.


AM RANDE

Und zwar unten: Fußnoten. Oft. Ganz viele. Und die meisten davon haben mich gestört und aus meinem Lesefluss heraus gerissen.

Da sind zunächst kurze, die nicht weiter stören. Dann gibt es viele, die geschichtliche Ereignisse erläutern, aber so ausschweifend, dass man sowieso keine Lust hat, sie ganz zu lesen. Dann gibt es komplett unnötige, wenn zum Beispiel im Text als emanzipierte Frau dieser Zeit  „Caroline Herschel, die deutsche Sängerin, Astronomin und Kometenentdeckerin“ genannt wird  und unten nochmal deren halber Lebenslauf aufgeführt wird. Da werden der Unterschied zwischen Hammer- und Tafelklavier erklärt und die Monde des Jupiter aufgezählt. Als Captain Bettingfield Charlotte von seinen Planen für das Landgut erzählt und dabei ein Jahr erwähnt, in dem der Sommer kalt und die Ernte schlecht war, steht hinter der Jahreszahl doch tatsächlich eine kleine Zahl und unten wird prompt erklärt, dass dieses Jahr auch das „Jahr ohne Sommer“ genannt wurde, weil damals in Indonesien ein Vulkan ausgebrochen war, wodurch das Klima kälter wurde, bla bla bla.

Für dumm verkauft fühle ich mich aber vor allem bei Fußnoten, die mir erläutern, was ein Dandy ist oder wer Ludwig van Beethoven war – mal ganz ehrlich, wer das noch nicht weiß, der wird es auch aus einem Unterhaltungsroman nicht mehr lernen.

Mir kommt es ein wenig so vor, als wolle die Autorin beweisen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht und sich tatsächlich an historische Fakten gehalten hat. Das ist ja schön und gut, aber man kann es auch übertreiben. Es ist ein Unterhaltungsroman und keine Diplomarbeit oder ein Sachbuch. Interessant war für mich am Ende, wie die Anzahl der Fußnoten variiert: in der ersten, etwas langweiligeren Hälfte gibt es 31 Fußnoten, manche davon machen fast ein Drittel der Seite aus. In der zweiten, spannenden Hälfte packt Landys dagegen nur noch 13 Fußnoten unter den Text. Hatte sie da mehr Spaß am Schreiben, so dass sie den lehrreichen Aspekt vernachlässigen musste? Diese Verringerung hat dem Werk jedenfalls gut getan. Zumal nach dem Schluss noch ein 20-seitiges Nachwort kommt, in dem sich der Leser  zum Beispiel über das Leben der High Society, die gesellschaftliche Rolle der Frau, die Wirtschaftsentwicklung, das Rechtssystem…. Informieren kann. So er will. Ich wollte nicht.


LESEPROBE?

Da ich keine Genehmigung vom Verlag habe, möchte ich in diesem Bericht keine längere Leseprobe geben. Weil aber es doch wichtig wäre, einen Eindruck des besonderen Schreibstils zu bieten, kann ich nicht umhin, zumindest einen ganz kleinen Textabschnitt abzutippen. Auf Seite 44 begegnet Charlotte John zum ersten Mal, als sie durch den Wald läuft. Er meint, er wäre kein Gentleman, wenn er sie allein darin umherirren lassen würde, worauf sie antwortet:

„ Wie Sie ja schon vorher bemerkten, war ich keineswegs in der Situation >herumzuirren<, Sir. Ich pflege mich nicht zu verlaufen. Mein Vater hat mir allerdings schon früh beigebracht, meinen Weg alleine und sicher auch in unwegsamen Gelände zu finden. Eine Fähigkeit, die für einen Archäologen unerlässlich ist, da sich das Ziel seines Interesses nun einmal naturgemäß häufig außerhalb heutiger menschlicher Zivilisation befindet…“

Dieser etwas umständliche Stil (kein Mensch redet heute mehr so) findet sich nicht nur in der wörtlichen Rede so, sondern auch in den Handlungstexten:

Charlotte bugsierte den immer noch zaudernden jungen Mann auf die Tanzfläche und lächelte ihm aufmunternd zu. Solchermaßen ermutigt gelang Mr Fortescue das Kunststück, ihr nur zweimal auf die Füße zu treten. Allerdings war er von der Arbeit seiner Füße so in Anspruch genommen, dass jegliche Konversation außer Frage stand…


WEITER SO

,Frau Landys, zumindest so wie im zweiten Teil. Der erste war mir doch etwas zu unmodern gehalten, wenn ich einen Klassiker lesen will, dann wende ich mich den Originalautorinnen zu, da gibt es ja noch einiges, das ich nicht kenne. Für dieses kleine ganz subjektive Manko und die im Übermaß vertretenen Fußnoten, die mich doch ein wenig gestört haben, ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten handelt es sich bei „Pflicht und Verlangen“ durchaus um ein gelungenes Erstlingswerk, dem weitere gerne folgen dürfen und für das ich eine Empfehlung ausspreche.

Liebe Grüße
Eure Kerry


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