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Historischer Roman: Die Vermessung der Welt
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Titel:      Die Vermessung der Welt
Kategorien:      Historischer Roman
BuchID:      234
Autor:      Daniel Kehlmann
ISBN-10(13):      3498035282
Verlag:      Rowohlt
Publikationsdatum:      2005-09-23
Edition:      1. Aufl.
Number of pages:      304
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

3.5 
Bild:      cover           Button Buy now



Beschreibung:      Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher.

Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen.

Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman -- und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. --Christian Stahl
Amazon.de Audiobook-Rezension
In seinem fünften und bisher besten Roman widmet sich der junge Daniel Kehlmann gleich zwei großen Geistern der an deutschen Genies reichen Epoche des 19. Jahrhunderts. Abwechselnd lässt er Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt die Welt erforschen und vermessen, am Ende begegnen sich die beiden, inzwischen alt und berühmt geworden, in Berlin. So leicht, geistreich und zugleich witzig ist schon lange nicht mehr über deutsche Dichter und Denker erzählt worden, über die allzumenschliche Lächerlichkeit auch im Genial-Erhabenen. Ob das alles wirklich so war, fragt der glückliche Leser nicht, auch wenn die leicht karikaturhaften Züge nicht zu leugnen sind. Etwa wenn Humboldt mit seinem Begleiter Bonpland von Paris nach Madrid reitet, um dort am Hof um die Erlaubnis für seine erste Südamerikaexpedition anzusuchen, sie aber einfach nicht vorankommen, weil Humboldt nicht aufhören kann, nebenbei zu messen und zu forschen: “Ein Hügel, von dem man nicht wisse, wie hoch er sei, beleidige die Vernunft, mache ihn unruhig. Ohne stetig die eigene Position zu bestimmen, könne ein Mensch sich nicht fortbewegen. Ein Rätsel, wie klein auch immer, lasse man nicht am Wegesrand.“

Gäbe es einen Preis der prägnantesten Hörbuchstimmen, hätte Ulrich Matthes sicher gute Chancen. Es genügen wenige Worte, um ihn zweifelsfrei zu erkennen. Unverkennbarkeit einerseits, grandioser Schauspieler andererseits, wie Matthes in zahlreichen Stücken, Filmen und Hörbüchern bewiesen hat. Auch aus dem Kehlmann-Roman macht er ein akustisches Ereignis und vermag die Wirkung dieses glänzenden Stücks Literatur noch strahlender zu machen. Dringend zu empfehlen!

Spieldauer: ca. 345 Minuten, 5 CDs, Hörbuchfassung des Autors

--Christian Stahl

   
 

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Rezensionen
05.07.2009 05.07.2009 05.07.2009
Rezension

05.07.2009 Bewertung:  3 Zelda vergibt 6 von 10 Punkten

UserpicAuf dem Buchdeckel (der Club-Ausgabe) wird Marcel Reich-Ranicki zitiert mit:

"Ich empfehle Daniel Kehlmann unbedingt. Intelligenz, Beobachtungsgabe und fabelhafte Dialoge!"

Auch jetzt noch frage ich mich ernsthaft, welche Dialoge damit gemeint sind. Denn Daniel Kehlmann vermeidet jegliche (!) wörtliche Rede, Konversation wird, wenn überhaupt, nur indirekt geschildert. Dazu passend leidet der Autor unter Konjunktivitis, was seinen Stil noch gewöhnungsbedürftiger macht.
Die einen finden das witzig, gewinnt das Buch dadurch einen altertümlichen Touch, der durchaus zum Inhalt passt. Die anderen aber, zu denen ich mich zähle, werden Lebendigkeit vermissen. Durch den Konjunktiv werden die Personen niemals wirklich real, es erscheint mehr wie eine Abhandlung in einem Lexikon. Die beiden Hauptpersonen, Gauß und Humboldt, bleiben entfernte Berühmtheiten, die biografischen Einzelheiten wirken wie die Langform eines Wikipedia-Eintrags.

Zugute zu halten ist es dem Autor allerdings, dass das Buch, ob einem der Stil nun gefällt oder nicht, ziemlich kurzweilig ist. Man muss sich nicht "durchquälen". Persönlich aber habe ich mir von "Der Vermessung der Welt" deutlich mehr versprochen. Wer sich mit dem Erzählstil anfreunden kann, ist hier gut bedient, wer meint, lebendige Charaktere seien das wichtigste an einem guten Buch, sollte einen großen Bogen darum machen.

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Rezension

05.07.2009 Bewertung:  3 Anonym vergibt 6 von 10 Punkten

UserpicKehlmanns Vermessung der Welt liest sich schnell und leicht weg.

Es beschreibt bunt und skuril die größtenteils fiktiven Lebensgeschichten der beiden Naturwissenschafter aus dem 19. Jahrhundert, Carl Friedrich Gauss und Alexander von Humboldt.

Es ist immer eine Frage der Balance für den Autor, dem Leser klarzumachen, wo bei der Verwendung von historischen Figuren die Realität endet und die Fiktion beginnt.

Dies hat der Autor offenbar gar nicht erst versucht, daher bleiben die beschriebenen Persönlichkeiten auch mehr oder weniger im diffusen Nebel der Vergangenheit und ein bisschen zweidimensional.

Das Buch ist nicht schlecht, aber es kann allzu hohe Erwartungen nicht erfüllen. Es unterhält, jedoch ohne den Leser am Ende zu befriedigen.

Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt.

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Rezension

05.07.2009 Bewertung:  4.5 Etsas vergibt 9 von 10 Punkten

UserpicDas Buch beginnt damit, dass Gauß mit seinem Sohn Eugen nach Berlin reist und Humboldt trifft. Im späteren Verlauf wird fast durchgehend in Rückblicken auf die Jahre der beiden Forscher zwischen Jugend und Alter die Geschichte ihrer Entwicklung erzählt. Wer hier auf eine autobiographische Geschichte der beiden hofft, wird enttäuscht werden, wer sich aber darauf einlässt, dass es sich um einen fiktionalen Roman handelt, bei dem zwar die Realität ab und an aufgegriffen wird, wird sehr gut unterhalten sein.

Kehlmann schafft es die Figuren auf humorvolle Art darzustellen, ohne dass beide lächerlich wirken, jedoch wirkt Humboldt menschlicher, was vielleicht auch daran liegt, dass Humboldts Expeditionen spannender wirken als Gauß‘ langweilig wirkendes Leben ohne große Reisen.

Wer also ein kurzweiliges, oft humorvolles Buch über zwei Wissenschaftler lesen möchte, kann bei diesem historischen Roman bedenkenlos zugreifen, sollte aber nicht außer Acht lassen, dass es sich um einen fiktionalen Roman handelt, bei dem die Wahrheit manchmal zurechtgebogen wird.


Etsas hat insgesamt 70 Rezensionen angelegt.

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